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Die Verwandlung


Anakin Skywalker kam nach dem tiefen Fall langsam wieder zu sich. Wie konnte es nur geschehen, daß ihn Obi-Wan besiegt hat? Er hatte sich so stark und siegessicher gefühlt. Die Dunkle Seite war doch um so vieles stärker als die Gute Seite. Ihm ist unerträglich heiß. Fast ist ihm, als ob sein ganzer Körper in Flammen steht. Plötzlich wird ihm bewußt, daß sein Körper tatsächlich brennt. Der süßliche Geruch seines eigenen brennenden Fleisches dringt ihm in die Nase. Da erinnert er sich. Der Krater - er ist in einen Krater mit glühender Lava gestürzt. Ein Gedanke formt sich in seinem Kopf: "Du mußt hier raus, sonst wirst Du sterben." Anakin versucht verzweifelt Zugriff zur Macht zu bekommen - nichts. Die Schmerzen werden unerträglich. Fast verliert er das Bewußtsein. Anakin mobilisiert alle Reserven. Auf allen Vieren kriecht er zum Rand des Kraters, um dem flammenden Inferno zu entkommen. Er spürt, wie sich sein verbranntes Fleisch in Fetzen von den Knochen löst. Nach wenigen Metern verläßt ihn die Kraft, aber er hat es wenigstens geschafft aus der unmittelbaren Gefahrenzone zu kommen. Anakin kann kaum atmen. Jeder Atemzug brennt in seinen Lungen wie Feuer. Er will seine Qual hinausschreien, doch aus seiner ausgedörrten, verbrannten Kehle kommt kein Laut. Ein unbändiger Lebenswille läßt ihn schließlich trotz der kaum zu ertragenden Schmerzen weiterkriechen. Er fokusiert sein gesamtes Denken auf den erlöschenden Funken Leben in seinem Inneren und auf den lodernden Haß, den er gegen Obi-Wan, seinen Jedi-Meister, hat. Da, endlich - die Macht. Er spürt sie ganz deutlich. Ja, fast kann er sie sehen. Verführerisch winkt sie ihm. Es ist die Dunkle Seite, die ihm zu Hilfe kommt. Trotz seiner Schmerzen lächelt er. Auf die Dunkle Seite ist Verlaß. Wie einen alten Freund heißt Anakin Skywalker sie willkommen und läßt sich von ihr vereinnahmen. Der Weg erscheint ihm unendlich und mehrmals verliert er vor Schmerzen das Bewußtsein. Doch die Energien der Dunklen Seite geben ihm immer wieder neue Kraft. Schließlich hat er es geschafft. Erschöpft bleibt er am Rand des Kraters liegen. Von Obi-Wan fehlt jede Spur. Er hatte seinen Schüler, mit der Gewißheit, daß dieser sterben würde, allein gelassen. Anakin versucht seine unerträglichen Schmerzen mit Hilfe der Macht zu lindern, doch es gelingt ihm nur teilweise. Zu schwer sind seine Verletzungen, die er durch die glühende Lava erlitten hat. Schließlich fällt er in einen Schlaf, der mehr einer tiefen Bewußtlosigkeit ähnelt, aus der es vielleicht kein Erwachen mehr gibt.
Stormtrooper nähern sich der Stelle, an der das, was einst Anakin Skywalker war, liegt. Der Commander spricht in das Comlink in seinem weißen Helm: "Wir haben ihn gefunden, Sir. Er liegt genau an der Stelle, die der Imperator beschrieben hat." Er lauscht auf die Antwort seines vorgesetzten Offiziers. Dann erwidert er auf eine Frage: "Ja, er ist noch am Leben. Einfach unfaßbar, daß der Mann noch lebt, Sir." Vorsichtig heben die Stormtrooper Anakins verbrannten Leib auf eine Repulsortrage und bringen ihn in ein Shuttle. Nach einem kurzen Flug dockt das Shuttle in der Landebucht des persönlichen Raumkreuzers des Imperators an. Sofort wird Anakin in die Medi-Sektion des Schiffes gebracht, wo seine Verletzungen behandelt werden. Doch alle ärztliche Kunst kann es nicht verhindern, daß tiefe Narben auf Körper und Seele zurückbleiben werden. Anakin ist für den Rest seines Lebens dazu verur-teilt, eine lebenserhaltende Rüstung zu tragen. Sein entstelltes Haupt wird für immer den Blicken der Menschen durch einen schwarzen Helm mit einer Atemmaske, die sein Gesicht verbirgt, entzogen sein. Er hat einen hohen Preis bezahlt, doch der Lohn wird unvorstellbare Macht sein. Der Imperator steht an Anakins Krankenlager und blickt mit kalten, gelben Augen auf das, was von seinem Weggefährten übrig geblieben war. Ja, der ehemalige Senator Palpatine ist zufrieden. Vor ihm liegt das Ausgangsmaterial, das er nun nach seinen Wünschen formen kann. Der Keim war schon vor dem Kampf mit Obi-Wan und seinen schrecklichen Folgen gelegt worden. Nun würde der Imperator Anakin immer weiter den dunklen Pfad hinabführen, von dem es kein Zurück mehr gibt, wenn er einmal beschritten ist. Ein verächtliches Grinsen verzerrt seine vom Gebrauch der Dunklen Seite zerfressenen Gesichtszüge. Der schwache und leicht zu beeinflussende Anakin Skywalker war in der glühenden Lava des Vulkans gestorben, um seinem Geschöpf Darth Vader das Leben zu geben. Sowie Vader genesen sein würde, würde er mit seiner weiteren Ausbildung beginnen. Palpatine war seinem Ziel, die ihm verhaßten Jedi zu vernichten, einen bedeuten-
den Schritt näher gekommen. In Lord Darth Vader würde er das perfekte Werkzeug haben.

© Claudia Riedel 1999

 

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